KiSS - Kopfgelenk induzierte Symmetrie Störung

Sie haben ein Asymmetrie-Problem bei Ihrem Kind bemerkt, das Ihnen als auffällig erscheint, und Sie wissen nicht, ob und wie ihm geholfen werden kann oder muß? Wahrscheinlich ging ein Gespräch mit Kinderarzt/ärztin oder der Physiotherapeutin voraus. Ergänzend möchte ich Ihnen im folgenden einige Erläuterungen zur Diagnose und Therapie einer Symmetriestörung der oberen Halswirbelsäule geben.

Wir haben im Laufe der Jahre gemerkt, daß viele Symmetrieprobleme von Kleinkindern sich durch die angepaßte Behandlung der oberen Halswirbelsäule günstig beeinflussen lassen. Unser verstorbener Freund und Lehrer Gutmann hatte schon in den fünfziger Jahren Einzelbeobachtungen gemacht, die wir in den letzten beiden Jahrzehnten systematisieren konnten. Inzwischen sind mehr als 10.000 Babys im Alter unter 2 Jahren behandelt. Auf der Basis der Auswertung dieser Krankengeschichten können wir einige allgemeingültige Aussagen treffen: Im Vordergrund stehen bei den Kopfgelenk induzierten Symmetrie Störungen (kurz KiSS) Schiefhals, Überstreckung im Rücken, Gesichtsasymmetrie und unterschiedliche Benutzung von Armen und Beinen. Wir wissen im Einzelfall nie genau, wieviel wir durch die Behandlung der oberen Halswirbelsäule bessern können, doch bei über zwei Dritteln der Kinder genügt eine einzige Behandlung, um einen durchgreifenden Erfolg zu erzielen oder eine später noch nötige Krankengymnastik bedeutend zu vereinfachen.

Warum ein kompensiertes KiSS-Problem Folgen haben kann

Die Fähigkeit, Defizite auszugleichen und abzumildern ist der menschlichen Spezies innewohnend. Ohne diese Fähigkeit und die enorme Anpassungsfähigkeit wären die Menschen nicht so dominierend auf diesem Planeten.

Kompensation ist allerdings immer ein Zustand, der Energie und Kapazität bindet. Kompensation ist wie eine Narbe: Es ist nur eine Reparatur, aber keine Heilung. Betrachtet man unter diesem Aspekt die Probleme der Kopfgelenk induzierten Symmetrie-Störung, wird besser verständlich, daß hier Handlungsbedarf besteht.

Warum ist aber nach der Behandlung und Normalisierung eines funktionellen Problems der Kopfgelenke oft auch noch mehr geschehen?

Diese Frage läßt sich vielleicht am besten mit einem einfachen, aber doch anschaulichen Modell beantworten:

Der kleine Flieger

Vereinfachungen sind immer problematisch. Aber sie haben den Vorteil, daß sie ein klares Bild erzeugen und falsche Vorstellungen und Erwartungen daher ausgeräumt werden.

Stellen Sie sich vor, der Patient ist ein Flugapparat, und das Zentralnervensystem (ZNS) ist der Pilot. Der Pilot steuert den Flieger durch die Luft (das ZNS den Menschen). Die Mechaniker haben beim Zusammenbau die Steuereinrichtungen des Fliegers zum Teil schief angebaut (hierher gehören dann die genetisch bedingten oder erworbenen Asymmetrien der Wirbelsäule, speziell in den Kopfgelenken). Eine solche Schiefheit (z. B. der Seitenruder an den Flügeln des Flugzeugs) bedingen jedoch keine instabile Fluglage - wenn die Seitenruder überhaupt funktionieren, kann der Pilot ( das ZNS) den Steuerknüppel etwas anders einstellen, und schon fliegt er ohne Korrektur und kann sich anderen Arbeiten zuwenden wie zum Beispiel der Navigation oder dem Funkverkehr.

Ist aber das Seitenruder verklemmt, muß der Pilot (das ZNS) ständig korrigierend eingreifen, damit die Fluglage stabil bleibt. Er kann seine sonstigen Aufgaben nur stark eingeschränkt ausüben!

Überträgt man dieses Beispiel auf den kleinen Menschen, der sich gegen die Schwerkraft behaupten muß und Bewegungsmuster und sensorische Informationen richtig verarbeiten soll, wird folgendes sichtbar:

  • Die ständige Kompensation eines funktionellen Problems im Rezeptorenfeld Kopfgelenke frißt Kapazität.
  • Diese Kapazität fehlt oft anderswo, z. B. bei der längeren Konzentration, der Verarbeitung von Reizen des vestibulären oder visuellen Systems.
Wird hier Abhilfe geschaffen, wird die Funktion normalisiert, geht es oft an anderen Stellen besser. So ist die Verbindung zu Störungen von Teilleistungen des Gehirns vereinfacht erklärt.

Ich behandele also im Einzelfall immer nur die gestörte Funktion und das dazugehörige Rezeptorenfeld. Wenn dann mehr Kapazitäten für andere Tätigkeiten frei werden, ist dadurch die Verbesserung erreicht.